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Das Bundeskriminalamt (BKA) - auch in
Thailand
Wir alle – und
diesmal waren es richtig viele Frauen von der Drehscheibe - waren
sehr gespannt!
Michael
Reiling, als Verbindungsbeamter vom Bundeskriminalamt (BKA) hier in
Bangkok beim „Federal Criminal Police Office“ tätig, wollte uns
etwas über das BKA im allgemeinen und seine Arbeit hier in Thailand
erzählen.
Begonnen hatte
Michael Reiling den Polizeidienst 1974, wechselte 1994 zum BKA, in
dessen Auftrag er sich bereits in Ungarn und im Jemen aufhielt.
Bevor er letztes Jahr nach Thailand kam war er zwischenzeitlich bei
der Koordinierungsstelle für Afghanistan in Berlin tätig.
Zunächst
erläuterte uns Michael den Polizeidienst in Deutschland:
„Polizei in
Deutschland ist im allgemeinen Ländersache“ und untersteht dem
Innenministerium. Wir erfuhren hierbei einiges über die Aufgaben der
örtlichen Polizei, zu der die Schutz-, Verkehrs-, Wasserschutz- und
Bereitschaftspolizei zählen und die der Landeskriminalämter, die
übergeordnet zur örtlichen Polizei tätig sind.
Beeindruckend
waren einige statistische Zahlen:
Beispielsweise gibt es in Deutschland rund 6,3 Millionen Straftaten
pro Jahr. Auf diese Gesamtzahl bezogen liegt die Aufklärungsquote
bei 55%. Für den Anteil der Tötungsdelikte kann die Polizei jedoch
auf eine beachtliche Aufklärungsquote von 95%
zurückblicken.
Das BKA hat
die Aufgabe die nationale Verbrechensbekämpfung in Deutschland in
enger Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern zu koordinieren
und Ermittlungen in bestimmten schwerwiegenden Kriminalitätsfeldern
mit Auslandsbezug durchzuführen.

1951 wurde das
BKA ins Leben gerufen und Wiesbaden als Sitz des Amtes festgelegt.
Im Laufe von über 50 Jahre führte die Entwicklung der nationalen und
internationalen Kriminalität dazu, dass sich sowohl die Schwerpunkte
und Art der Verbrechensbekämpfung als auch die Organisation des BKA
permanent anpassen mussten. War das BKA in seinen Anfängen in erster
Line mit dem Aufbau als nationale polizeiliche Zentralstelle und der
internationalen Zusammenarbeit betraut, traten in den 80er Jahren
Drogenbekämpfung und organisierte Kriminalität in den Mittelpunkt.
Damals kam der Großteil des weltweiten Rauschgiftkonsums aus
Thailand. Seit den Anschlägen „9/11“ in den USA verschob sich der
Schwerpunkt der Sicherheitspolitik des BKA weiter in Richtung der
Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Dies mündete 2004 in der
Einrichtung eines „Gemeinsamen Terrorabwehrzentrums“ (GTAZ) in
Berlin. Um mit der Zunahme an Aufgaben Schritt halten zu können
stieg das Personal inzwischen auf 5.500 Mitarbeiter/innen an und dem
BKA stand in 2008 ein Haushaltsvolumen von 386 Mio. Euro zur
Verfügung.

Wir erfuhren
eine Menge über die Aufgaben und Schwerpunkte der verschiedenen
Abteilungen des BKA, angefangen von der Abteilung „Schwere und
Organisierte Kriminalität“ (SO) bis zur Abteilung „Internationale
Koordinierung“ (IK).
Das BKA
betreibt zudem eine Vielzahl zentraler Einrichtungen für die
deutsche Polizei. Die wichtigsten Nachrichten der Polizei laufen
hier zusammen. Über Straftaten und Straftäter betreibt das BKA ein
zentrales System mit Informationen, auf die die Polizei der Länder
zugreifen kann. So ist auch die DNA-Analysedatei im BKA
zentralisiert. Außerdem erforscht und entwickelt das BKA neue
Bekämpfungsmethoden.
Auch für die
polizeiliche Kooperation in Europa und für die weltumspannende
Zusammenarbeit hat das BKA einen gesetzlichen Auftrag. Staatsgrenzen
dürfen schließlich kein Hindernis bei der Verbrechensbekämpfung
darstellen.
Mit nahezu
allen Polizeizentralen weltweit, wie bspw. Interpol und Europol,
unterhält das BKA feste Beziehungen und es unterhält zurzeit ein
Netz von 63 Verbindungsbeamten an 51 Standorten in 49 Staaten.
Die
Entsendung von Verbindungsbeamten geht zurück auf das
Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Bekämpfung des Drogen- und
Rauschmittelmissbrauchs und die in diesem Zusammenhang entwickelte
Vorverlagerung der Abwehrlinie in die Rauschgiftherkunfts- und
transitländer, die sogenannte Vorverlagerungsstrategie. Bereits im
April 1983 wurde der erste Verbindungsbeamte nach Thailand entsandt.
Bangkok war der erste Dienstort eines Verbindungsbeamten außerhalb
Europas überhaupt. Damals nahmen 95% des weltweiten
Rauschgifthandels im „Goldene Dreieck“ ihren Ursprung. Aktuell sind
in Bangkok zwei Verbindungsbeamte des BKA, die neben Thailand auch
für Kambodscha, Laos, Malaysia und Vietnam zuständig sind.

Die
Verbindungsbeamten haben einen präventiven und repressiven Auftrag.
Sie initiieren und unterstützen die Ermittlungen der Polizei des
Empfangsstaates bzw. der Region. Die Verbindungsbeamten üben keine
hoheitliche Tätigkeit in dem Empfangsstaat aus und haben bei ihrer
Tätigkeit das Völkerrecht, das Recht des Empfangsstaates sowie die
mit den Empfangsstaaten getroffenen Vereinbarungen zu beachten. Sie
vertreten die Interessen der deutschen Polizei - insbesondere des
BKA - und unterstützen sonstige deutsche Strafverfolgungsorgane.
Interessant
war für uns natürlich noch, mit welchen Straftaten es die
Verbindungsbeamten hier in Thailand am meisten zu tun haben:
·
Sexueller Mißbrauch von Kindern und Kinderpornographie
·
Fahndungen
·
Dokumentenfälschung
·
Rauschgifthandel
·
Tötungsdelikte
·
Handel mit Arzneimitteln
·
Produktfälschungen
Herzlichen
Dank nochmals an Michael Reiling für den umfassenden und
interessanten Einblick in die Welt des BKA.
Weitere
Informationen vom und über das BKA:
http://www.bka.de/
19.05.2009, CP
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