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Marisa Baratelli
Man nehme
eine dynamische Designerin plus eine Gruppe modeinteressierter Damen
plus Thai Seide in allen Schattierungen als Ingredienzien für einen
höchst informativen und auch beschwingten Vormittag. Marisa Cranfill,
die Geschäftsinhaberin des soeben eröffneten Modeateliers ‚Marisa
Baratelli’ empfing unsere Gruppe vor ihren Räumlichkeiten in der Soi
31, Sukhumvit. Bereits in dem Moment des Durchschreitens der
gläsernen Eingangstüre tauchten wir unweigerlich in eine Welt von
Glamour ein. Boutiquen in New York, Dallas und San Diego spiegeln
die Internationalität und Exklusivität der Marke auch hier in
Bangkok wider.

Automatisch
fällt als erstes der Blick auf ein riesiges Wandobjekt, das von
einem lokalen Künstler in mühseliger Kleinarbeit und vielen
Arbeitsstunden aus unzähligen 2,5x3,5 cm großen Teilchen gefertigt
wurde. Die Holzplättchen aus speziellem, termitenresistentem Holz
sind komplett mit Seide überzogen und in mehreren Lagen übereinander
geklebt. Die gesamte Farbpalette stand sicher Pate bei diesem
Konzept. Das Objekt stellt das Chakra-System dar und zieht einen
unmittelbar in seinen Bann. Aufgrund seiner Dynamik und der
traumhaften Farben ist es einfach wunderschön anzusehen.

Der
großzügige und lichtdurchflutete Eingangsbereich gibt den in die
Wände integrierten Nischen den angemessenen Rahmen, damit die darin
präsentierte Demi-Couture richtig zur Geltung kommen kann. Zuerst
einmal schauen und staunen und dieses Ambiente auf sich wirken
lassen war uns ausgiebig gestattet, bevor wir uns gespannt auf den
Sitzgelegenheiten niedergelassen haben.


Marisa, eine
Amerikanerin aus Kalifornien, die ursprünglich italienischer
Abstammung ist, empfing uns gut gelaunt in einem schlicht gehaltenen
türkisfarbenen Kleid, natürlich aus Seide und aus der kommenden
Kollektion für 2009. Zu Beginn erfuhren wir einige Details aus ihrem
Leben, ihren Werdegang und ihrer Intention nach Bangkok zu kommen.

Ein
Modeunternehmen, das bereits ihre Mutter begonnen hatte, brachte
Marisa (eigentlich Madeleine) schon als Kind nach Asien. Sie lernte
den Kontinent mit all seinen Gerüchen, Gebräuchen und Farben kennen
und lieben. Ihr Studium der Kulturanthropologie und
Religionswissenschaften u.a. in Japan, Thailand, China und Indien
halfen diese Verbindung zusätzlich zu vertiefen. Ihre damalige
Abschlussarbeit über Buddhismus war sicher nicht wegweisend für ihre
jetzige Tätigkeit. Doch als das Familienunternehmen dringendst
Unterstützung brauchte, war es für sie absolut selbstverständlich
diesem Ruf zu folgen. Ihre Liebe zur handgewobenen Seide aus
Thailand und deren vibrierende Farbreflexe konnte sie nun mit ihrer
erlangten Wertschätzung für das Außerordentliche im Leben verbinden.
Das scheinbar Alltägliche bekam durch ihre spirituelle
Inangriffnahme einen anderen Gehalt und Tiefgang. Die Verbindung von
all ihrem Wissen mit der Farbenlehre und Farbstudie gemäß ‚Max
Lüschers Farbtest’ war fließend.

Als sie vor
8 Jahren als Kreativdirektorin ihre Tätigkeit hier in Thailand
begann, wollte sie die westliche Schnittgestaltung im Modedesign mit
der Besonderheit des Materials in Einklang bringen. Wie Marisa
beiläufig zitierte: ‚Seide ist die Transformation eines
Seidenwurm-Kokons in einen Schmetterling’. Dies soll im übertragenen
Sinne heißen, dass jede Frau durch die Wahl der entsprechenden
Kleidung sich in etwas Außergewöhnliches verwandeln kann. Das
leuchtete uns allen ein. Nur die tatsächliche Umsetzung scheint
nicht immer ganz so einfach zu sein. Wir hörten ausführlich über
Chakren, Auras, Energien und deren Einfluss auf unsere Gedanken und
Gefühle. Auch wie diese Einflüsse mit der jeweiligen Farbwahl sich
verändern können und wie sich die Farbe der Aura ständig durch
unsere momentane Verfassung ändern kann. Der unlängst in der Bangkok
Post unter der Rubrik Psychologie erschienene Artikel ‚Women in red
send men crazy’ - natürlich nur im Positiven gesehen - unterstreicht
all diese Aussagen und bestätigt sich in der Praxis.
Der
Aufforderung zu etwas Tee und Gebaeck kamen wir gerne nach. Darüber
hinaus wurden wir gebeten, uns aus der Kollektion jeweils ein oder
auch mehrere Modelle auszusuchen, mit denen wir uns vorstellen
könnten, auf eine supertolle Party zu gehen. Der Schnitt war dabei
nebensächlich, einzig allein die Farbwahl war wichtig. Viel Spaß
hatten wir dann in der reichhaltigen Kollektion zu stöbern und uns
diese Traumrobe auszusuchen. Gegenseitige Beratung und fachmännische
Unterstützung machten diese Auswahl etwas leichter. Anschließend
wurde von jeder Teilnehmerin per Spezialkamera eine Aura-Fotografie
angefertigt. Ungeduldig und neugierig warteten wir alle auf die
etwas langsame Entwicklung des jeweiligen Polaroidbildes.
Als wir dann
wieder zusammen saßen, analysierte Marisa die jeweiligen Fotos gemäß
der Farbe der Aura mit den vorab ausgewählten Kleidungsstücken. Dies
war keine direkte Farbberatung im herkömmlichen Sinne, sondern
einfach eine Feststellung von Fakten. Anhand von ausgehändigten
Farb- und Typologiecharts konnten wir den Einfluss von den Farben
nachvollziehen. Zum Beispiel steht die Farbe Blau für das ‚Throat
Chakra’ und sagt aus: ‚Blau repräsentiert eine ruhige Verfassung und
klare Kommunikation besonders durch Sprache. Es ist eine kühle und
empfindsame Farbe, die geistige, körperliche und spirituelle
Entspannung und Frieden erlaubt. Blau sollte bei wichtigen
Führungsgesprächen getragen werden und auch in Momenten der
Selbstdarstellung. Die Heileigenschaften sind beruhigend, hilfreich
für Schlaf, günstig bei Stressabbau und geeignet zum Senken des
Blutdruckes.’
Das Produkt
Seide ist nicht in allen Ländern gleich gut. Dies hängt auch vom
Futter der Seidenraupen ab, hier in Thailand ist es der
Maulbeerbaum. Thai Seide ist von extrem hoher Qualität und
Strapazierfähigkeit. Das Webverfahren erlaubt eine schier unendliche
Bandbreite an unterschiedlichem Luster und Changeant. Wie wir noch
erfahren konnten, wird sie unter anderem für kugelsichere Westen der
Polizei benutzt, indem mehrere Lagen übereinander und dabei leicht
versetzt angeordnet werden. Gemäß der Webstruktur wird bei diesem
Prozess eine enorme Stabilität erreicht. Die allgemeine
Lichtwidergabe bei den Seidenstoffen ist wohl einmalig. Eine ‚reine’
Farbe gibt es nicht, sondern bis zu fünf Töne können bei jeweiligem
Lichteinfall pro Farbton gesehen werden. Das Kleidungsstück sollte
immer in eine gute Reinigung gebracht werden. Bügeln ohne Dampf, von
innen, und bei voller Hitze!
Die
Erläuterungen Marisas waren so umfangreich, dass eigentlich kaum
Fragen aufkamen. Es war ganz deutlich zu erkennen, dass der Umgang
mit Farben, Material und Designwissen Marisas Leben beherrschen und
ausfüllen. Ihre Leidenschaft zum Produkt spiegelt sich in ihren
Aussagen wider. Ein Rundgang durch das Atelier gab einen Einblick in
die Fertigung von Musterkollektionen. Die richtige Produktion findet
außerhalb Bangkoks statt. Ihre Modelle zeichnen sich durch deren
Verwandlungsfähigkeit aus. Marisa empfiehlt z.B. auch Dreiteiler wie
Rock, Top oder Bustier und Bolero, die später je nach Lust und Laune
mit der restlichen Garderobe kombiniert werden können.


Sehnsuchtsvolle Blicke schweiften am Ende unseres Besuchs über die
farbenprächtigen Unikate. Bei der Frage einer Teilnehmerin nach dem
ultimativen Kleid für ein besonderes Ereignis zauberte Marisa sofort
ohne langes Überlegen ein totales Prachtexemplar hervor. Kurz
entschlossen schlüpfte Janelle in diesen Traum aus Rot und erntete
nur Ahs und Ohs von uns allen. Das Kleid schien für sie
maßgeschneidert zu sein, sowohl vom Schnitt als auch vom Farbton.
Marisa selbst zeigte sich noch in einem schlichten Kleid aus
bedrucktem Seidenstoff und somit hatten wir zwei Modells für eine
kleine Modenschau.

Der
Vormittag verging viel zu schnell. Das traumhafte Ambiente machte
den Besuch zu etwas sehr Speziellem. Vom Outfit, über Kopfbedeckung
und Schmuck kann Frau sich stilvoll transformieren lassen und das
Ganze in einem finanziellen Rahmen, der verkraftbar zu sein scheint.
Marisa sagen
wir besten Dank für den überaus herzlichen und wohl einmaligen
Ausflug in die Welt der festlichen Kleidung. Ihre Liebenswürdigkeit
und ihr Engagement sind sicher das Aushängeschild für Erfolg. Da wir
die allerersten ‚Kundinnen’ in dem neuen Studio waren, können wir
ihr nur GOOD LUCK für die noch ausstehende offizielle
Geschäftseröffnung wünschen. All den beteiligten Mitarbeitern, die
bei diesem Besuch freundlich zur Seite standen, gilt ebenfalls unser
Dank.
www.marisabaratelli.com
11.11.2008 / RR
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