|
17 Frauen, zwei Guides, ein Ziel: Zweiradabenteuer in Bangkok

Wer hätte gedacht, dass man tatsächlich mit dem Fahrrad durch den
supervollen Klong Toey Markt fahren kann? Dass ein keine zwei Meter
breiter Betonpfad über dem Sumpf mit rechtwinkligen Kurven auf zwei
Rädern tatsächlich zu meistern ist? Dass selbst der ein oder andere
Muskelkater an ungewohnter Stelle am Ende alle Mühen wert ist?

Unsere Radausflug mit ABC Amazing Bangkok Cyclist Tours begann am 17.
Januar mit einem Schocker. "Keine Taschen" kündigte ABC-Chef Michiel
Hoes an. "Die stören nur, verrutschen, werden vergessen - Wir haben
alles Nötige dabei." Skepsis, und Memo an Hirn: nächstes Mal eine
Gürteltasche für das Nötigste mitnehmen!
Mit den soliden und bequemen Rädern geht es gleich als erstes ein paar
hundert Meter über die Sukhumvit. Geht doch! Vermutlich halten die Auto-
und Mopedfahrer angesichts der geballten Frauenpower fasziniert inne.
Wir biegen aber schnell in die kleinen Hintergassen ab. Michiel, der
Niederländer, fährt vorn, sein fescher junger Guide Marcel hinten.

Was es nicht alles gibt! Hier tobt das wahre Bangkoker leben. Oma
schläft auf der gekachelten Terrasse, drei Minikatzen auf einem
Mopedsitz. Überall sind Leute draußen und werkeln, putzen, bereiten vor:
zum Beispiel die Familie, die zu viert Obst schält und schneidet. Ein
Mann richtet das Vitrinenwägelchen mit dicken Eisblöcken her. Bestimmt
fährt später einer damit auf die Sukhumvit. Ein paar Häuser weiter
werden fünf, sechs dicke Eisbeinstücke auf offenem Feuer frittiert. Auch
das geht später geschnitten und zubereitet sicher in den Straßenverkauf.
Hinter einer Ecke steht schön überdacht ein nagelneuer Mercedes Coupé -
mit eigenem Wachmann, der mit dem Lappen den blanken Kühler wienert.
Eine Frau füllt fünf Wassermaschinen auf der Straße. Ist ein Hotel ihr
Kunde? Wir radeln vorbei an Familientempelchen vorbei, Grills und
Garküchen, Waschtrögen und Näh- und Bügelzimmern und Werkstätten aller
Art. Ein Schuster zeigt uns seine Leisten. Keine echte Versuchung,
die Mokassins sind so... na ja. Geld haben wir ja sowieso alle im Büro
gelassen.

Und dann der Markt! Mikiel fährt unbeirrt voraus, streift mit dem Knie
rechts eine riesige Crevettenschüssel, weicht links knapp
einem Zucchinisack aus. Es herrscht Hochbetrieb. Wir schlängeln uns
durch Catfisch Alley, wo die Fische in großen Trögen noch nach Luft
schnappen, durch Chicken Alley mit den noch gackernden Hühnern - für
manchen ein schockierender Anblick. Irgendwo reiht sich ein Alter mit
seinem Fahrrad in unsere Reihe. Er liefert Reissäcke aus.

Stau an der nächsten Ecke: es sieht so aus, als wollte ein vier Meter
breiter Lastwagen durch die drei Meter breite Straße. Alles steht still.
Es wird palavert. Irgendwann rollt er an. Vorne rechts reisst er fast
die Schweinehälften vom Haken. Aber es geht. Wir biegen ab nach links,
durch Reis und Gewürze in die Mango und Mandarinen Alley. Es wird
entspannter.
Mikiel führt uns irgendwo an der Rama IV über eine der
legendären Bangkoker Kreuzungen. Aus fünf Richtungen je vier Spuren,
unzählige Mopeds. Immer schön entspannt bleiben. Aus der Perspektive
“mitten im Chaos” sieht das ganze machbar aus. Und wir kommen alle
heil rüber. Es geht zum Hafen, mit dem Boot über den Fluss ins
Naturschutzgebiet Bang Ka Jao. "Sattel runter" empfiehlt Michiel, damit
man in den Kurven auf dem recht schmalen Betonpfad im Zweifelsfall auch
die Füße nutzen kann. Sehr hilfreich. “ Wenn jemand fällt, bitte nicht
rühren, liegenbleiben”, sagt Michiel. Aha? “Damit wir alle ein Foto
machen können”, schiebt er nach. Wir stoppen an einem Wat
zum Mittagessen. Fried rice or fried noodles. Mit einer kühlen Cola
schmeckt es hervorragend.

Beim Toilettenstopp zeigt sich, dass Michiel und Marcel tatsächlich gut
ausgestattet sind. Der junge Mann zaubert Toilettenpapier aus seiner
Fahrradkiste und verteilt großzügig. Flickzeug hat er auch,
und Regencapes, aber beides brauchen wir Gott sei Dank nicht.
Michiel und Marcel begleiten uns sicher zurück zum Büro. Es geht nochmal
über ziemlich große Straßen. Vor jeder Kreuzung eilt Marcel voran und
blockiert freundlich lächelnd mit seinem Fahrrad die Zufahrtsspur von
rechts. So biegen wir in einer langen Reihe in von der Rama IV in
die Soi 26 und radeln zum Laden zurück. Sechs Stunden dauert der ganze
Spaß. Mit ihren Taschen wieder vereint ziehen 17 zufriedene Ladys von
dannen.
19.01.2012 / Christiane
Oelrich
nach
oben
|