Malteser International
Besuch der
Flüchtlingslager Mae La Oon und Mae Ra Ma Luang
24.04.2011 - 26.04.2011
Michaela Ehrmann Barbara Gürtler-Bunje Karin Lübbers Christiane
Oelrich
Trotz Umzugsstress konnte und wollte es Michaela Ehrmann noch
möglich machen mit der Fotografin Karin Lübbers, der
dpa-Journalistin Christiane Oelrich und mir, „unsere Kinder“, die
auch durch Eure Spendengelder behandelt werden konnten, zu besuchen.
Wir starteten am Ostersonntag und flogen zuerst nach Chiang Mai. Am
Flughafen holte uns Frau Dr. Myat von MI ab und wir fuhren mit ihr
ins Suandok Hospital um zwei Kinder zu besuchen, die gerade im
Krankenhaus stationär behandelt werden.
Bepackt mit Taschen voller Spielzeug und Malutensilien begrüßten wir
vor dem Hospital noch Khun Saipin, die die Spendensammlungen in die
Camps koordiniert, sowie eine Karen-Dolmetscherin.
Gemeinsam ging es direkt zur kleinen sieben Monate alten „Baby Poe“.
Sie ist die jüngste von neun Kindern in der Familie. Dieser Besuch
lag uns schwer im Magen, sah doch ihr Gesundheitszustand auf der
Krankenakte gar nicht gut aus:
Sie hat einen angeborenen Herzfehler und leidet an der Osteogenesis
Typ 3, die im Volksmund auch Glasknochenkrankheit genannt wird.
Zahlreiche Abszesse, die sie bedingt durch eine
Streptokokkeninfektion hatte, waren schon relativ gut verheilt.

Eine Knochenmarkspunktion, um eine Bluterkrankung auszuschließen,
kann momentan leider nicht durchgeführt werden, da die Knochen dabei
zersplittern könnten.
Sie ist ein sehr lebendiges und interessiertes Kind und nachdem sie
Michaelas großen Pandabären gesehen hatte war das Eis gebrochen. Immer wieder schaute sie
verschmitzt in die Runde, lächelte und versuchte den Bären zu
streicheln und anzufassen. Sie ist ein richtiger kleiner
Sonnenschein!
Seit dem 1. April ist sie in Chiang Mai im Krankenhaus, davor wurde
sie schon in Mae Sariang behandelt. Die Eltern wechseln sich mit der
Betreuung ab, momentan wird sie von ihrem Vater gepflegt, der sich
sehr um sie sorgte und kümmerte. Nachts schläft er auf einer Matte
neben ihrem Bett. Er erzählte uns, dass er früher in der
Landwirtschaft gearbeitet hat, im Reisanbau. Durch den Bürgerkrieg
wurden sie aus ihrem Heimatdorf vertrieben. Die Familie lebt seit
sechs Jahren im Flüchtlingslager. Er freute sich schon wieder auf
sein zuhause, da er in den letzten Wochen wenig Schlaf in dem
16-Betten-Krankenzimmer gefunden hatte. Jedes Kind wird meist von
einem Elternteil begleitet, diese schlafen Nachts auf einer Matte
auf dem Fußboden, direkt neben dem Bett des Kindes.
„Baby Poe“ benötigt alle zwei Monate eine spezielle Behandlung und
Medikamente für ihre Glasknochenkrankheit. Die Ärzte rechnen mit
einer Behandlungsdauer von mindestens zwei Jahren.
Zwei Etagen höher besuchten wir die 14- jährige „Sunny“, sie hatte
geschlafen und machte einen etwas verstörten Eindruck, als sie
plötzlich so viele Menschen um ihr Bett stehen sah.

Sie wurde durch einen Ast am linken Auge verletzt, dadurch wurde die
Hornhaut durchstoßen. Dazu kam noch eine Infektion der Hornhaut. Es
ist für uns unvorstellbar, welche Schmerzen sie erleiden musste und
sie ist ganz allein im Krankenhaus. „Sunny“ hat noch drei
Geschwister im Camp und sie hat es sich zugetraut, diesen Aufenthalt
im Krankenhaus allein auf sich zu nehmen, damit sich die Eltern um
ihre Geschwister kümmern können. Wunderbarerweise war es möglich,
ihr am 21.04.2011 eine Hornhaut zu transplantieren, sie hat alles
gut überstanden und nur noch manchmal Schmerzen. Für ein junges
Mädchen in ihrem Alter ist dies ein wirklich glücklicher Umstand.
Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von unseren Patienten, wir
hatten noch eine weite Strecke vor uns, um nach Mae Sariang zu
fahren. Dort quartierten wir uns in einem kleinen Guesthouse ein und
bereits in der Nacht fing es an zu regnen. Morgens um 8 Uhr ging es
dann bei strömenden Regen ins Mae Sariang Krankenhaus, wo wir auf
einen alten Freund treffen würden: Saw Pah Ber. Der mittlerweile
11-jährige hat eine wahre Odyssee hinter sich und ist seit Dezember
2009 in ärztlicher Behandlung. Lisa und Michaela hatten ihn im
März
2010 im Suandok Hospital, Chiang Mai besucht. Ende des Jahres ging
es seinem Bein soweit gut, dass er ins Camp zurück konnte. Wegen
einer erneuten Infektion und Schwellung musste er kürzlich jedoch
wieder stationär aufgenommen werden.
Er erkannte Michaela sofort und freute sich riesig über das
Wiedersehen. Er ist allein, seine Mutter ist irgendwann nicht mehr
zu ihm ins Krankenhaus zurück gekommen. Er hat sich so sehr über
unseren Besuch gefreut.

Michaela hat mit ihm einen kleinen Playmobil-Ritter zusammengebaut
und Karin hatte einen Zauberwürfel dabei. Das hat ihn total
fasziniert und er war schon gleich bei der Arbeit...
Wir waren zuerst einmal positiv überrascht, er konnte einigermaßen
laufen und machte einen sehr zufriedenen und glücklichen Eindruck.
Da allerdings der Entzündungsherd in seinem linken Oberschenkel
wieder aufgeflammt ist gehen wir davon aus, dass die Ärzte das Bein
amputieren müssen, um eine Blutvergiftung zu vermeiden. Er weiß es
noch nicht und wir sind sehr traurig darüber. Er wird auch noch in
der nächsten Zeit von Euren Spenden profitieren.
Mit gemischten Gefühlen machten wir uns auf den Weg ins MI-Büro, wo
ein Meeting mit dem
Team der MI angesetzt war. Für die reibungslose Übergabe des
Projektes an Barbara, Lisa und Karin war es sehr wichtig, sich
persönlich kennenzulernen. Natürlich sind wir die Patientenakten
durchgegangen und haben die Planung der nächsten Monate besprochen.

Alle waren sehr herzlich und es herrschte eine gute Atmosphäre –
wieder und wieder wurde Dank für die großzügigen Spenden
ausgesprochen, die wirklich dringend benötigt werden.
Ein kleines, leckeres Mittagessen stärkte uns für den Weg ins erste
Camp. Noch immer regnete es in Strömen und nach zwei Stunden Fahrt
waren die Straßen nicht mehr asphaltiert.
Wir waren sehr froh, dass Bonjong ein guter Fahrer ist, denn die
Straßenbedingungen verschlechterten sich zusehends. Auf den
unbefestigten Abschnitten war nur noch tiefer, roter Schlamm und der
Jeep kam – trotz Allradantrieb – ganz schön ins Rutschen. Ein
überaus spannendes Erlebnis auf den Serpentinen in den Bergen, wenn
man zur einen Seite den Hang und zur anderen den Abgrund vor Augen
hat.

Nach über vier Stunden Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht und
kamen im Camp Mae La Oon an.
Unser erster Eindruck war ausgesprochen positiv.
Die Häuser wurden komplett aus Naturmaterialien, wie dem elastischen
Bambus, Lehm und getrockneten Blättern für die Dächer errichtet. Sie
schmiegen sich ganz harmonisch in die hügelige Berglandschaft ein.
Alles wirkte sehr sauber, nirgendwo war Müll zu sehen, fast wie aus
dem Bilderbuch.

Wir besuchten direkt das Bambushospital, wo schon die ersten Kinder
mit ihren Eltern auf uns warteten, auch hier waren Kinder dabei ,
denen 2010 von den Spendengeldern der Drehscheibe Bangkok geholfen
wurde.
Diese 50.000 Baht haben im Jahre 2010 mehreren Kindern geholfen, sei
es durch dringend notwendige Medikamente oder Operationen.

Das Hospital war, wie auch die anderen, die wir auf unserer Reise
gesehen hatten, sehr spartanisch ausgestattet. Wer ins Krankenhaus
muss, bringt seine eigene Matte und eine Decke mit und die Familie
versorgt die Patienten täglich mit Reis und Tee. Die häufigsten
Erkrankungen sind Malaria, Durchfall und Streptokokkeninfektionen.

„Fröschlein“
Im letzten Jahr wurde „Ranula“ diagnostiziert, eine Mundbodenzyste.
Diese konnte erfolgreich behandelt werden.Die sechs-jährige leidet außerdem unter einer besonderen Form des
Leistenbruchs, der Hydrozele, dem sog. Wasserbruch. Dieser wird
zeitnah in Mae Sariang operiert werden, da die Gefahr einer Hernie
(Darmvorfall) besteht.
Wenn keine Komplikationen auftreten benötigen wir für diesen
Eingriff 20.000 Baht, damit die Kleine wieder fit wird.
„Po"
Sie ist ein fünfjähriges Mädchen und leidet an einem Herzfehler,
einem Loch in der Herzscheidewand (VSD Ventrikelseptumdefekt). Durch
die Erkrankung bedingt ist sie kurzatmig und kann nicht lange mit
anderen Kindern spielen.Aufgrund ihres geschwächten Immunsystems bekam sie letztes Jahr eine
Lungentuberkulose, die seit April 2010 behandelt wurde und
ausgeheilt ist. Sie nimmt allerdings immer noch Medikamente. „Po“
ist gesundheitlich stabil und kann nun am 06.05.2011 am Herzen
operiert werden.
„Pony“
Sie ist neun Jahre alt und hat noch sechs Geschwister. Sie kam mit
hohem, anhaltenden Fieber ins Camp und litt unter starker Atemnot.
Es musste ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden (Tracheotomie),
bei der ein Tubus eingesetzt wurde. Nun kann sie bei
Zimmertemperatur gut atmen.
Alle zwei Monate bringt man sie nach Mae Sariang ins Krankenhaus,
hier wird nach ihrem Tubus geschaut.
Sie und ihre Familie sind total glücklich, dass es ihr so gut geht
und sie sogar wieder mit ihren Freunden spielen kann.
„Figaro“
Der junge Mann mit der coolen, selbst-gestylten Frisur leidet an
Morbus Wilson, einem genetischen Defekt, bei dem der
Kupferstoffwechsel gestört ist. Dies verursachte starke
psychomotorische Störungen, er konnte weder schreiben noch laufen.
Der Kupferspiegel konnte im Hospital medikamentös gesenkt werden.
Durch zusätzliche Rehabilitationsmaßnahmen kann er sich inzwischen
wieder selbständig fortbewegen und es wird künftig ausreichen, dass
ihm die Medikamente ins Camp geschickt werden.
Die Familie hat sich für das Resettlement-Programm beworben und es
ist sein größter Wunsch, in die USA gehen zu können.
Nach so vielen Eindrücken war es Zeit für das 5-Sterne Hotel
„Maltesers Teamhouse“, wo wir mit einem wunderbaren Abendessen und
einem leckeren Frühstück verwöhnt wurden und den Tag und die
Erlebnisse noch einmal Revue passieren lassen konnten.
Khun Wiphan, sie bildet die Hebammen in den Camps aus, gab uns noch
einige Informationen zu den Frühgeburten in den Flüchtlingslagern.
Jeden Monat kommt es im Schnitt zu ca. 6 Frühgeburten in den beiden
Camps. Ab 1700 g können sie vor Ort versorgt werden, wenn sie
darunter liegen, müssen sie nach Mae Sariang oder nach Chiang Mai
ins Krankenhaus gebracht werden, da dort Brutkästen zur Verfügung
stehen. Dies ist nicht immer möglich, da die Krankenhäuser schon mit
eigenen kleinen Patienten ausgelastet sind. So ein
Krankenhausaufenthalt kostet dann ungefähr 200.000 Baht. Auch hier
überlegen wir, welche Möglichkeiten wir haben, die Situation vor Ort
zu verbessern.

Am nächsten Morgen fuhren wir weiter ins Camp Mae Ra Ma Luang. Hier
wurden uns noch zwei Mädchen vorgestellt, die im letzten Jahr auch
durch Eure Spenden behandelt werden konnten.
„Pii-ä“
Die mittlerweile fast drei-jährige hatte im März 2010 eine
Herzoperation im Suank Dok Hospital in Chiang Mai, die völlig
komplikationslos verlief.Sie war sehr verängstigt und machte auf uns den Eindruck, als hätte
sie bei unserem Anblick Panik, schon wieder ins Krankenhaus zu
müssen.
Die kleine Maus schien sehr erleichtert, als sie uns mit ein paar
Mitbringseln in der kleinen Hand wieder verlassen durfte.
„Moon“
Sie ist 14 Jahre alt und erlitt eine Fraktur des linken
Oberschenkelknochens. Die Operation im Nakorn Ping Hospital in
Chiang Mai ist gut verlaufen, sie ist inzwischen fast schmerzfrei
und machte einen glücklichen Eindruck auf uns.
Allerdings benötigt sie eigentlich noch eine Physiotherapie, da sie
immer noch humpelt und zuhause nicht die Übungen macht, die man ihr
im Krankenhaus gezeigt hat.
Ein absolutes Highlight war sicher auch die Stippvisite in der
Dorfschule. Räume voller süßer Zwerge waren zum Sommer-Camp hier und
sangen uns ein entzückendes Ständchen.
Noch ein gemeinsames Mittagessen, dann war es höchste Zeit sich zu
verabschieden. Uns allen war noch die mühsame Fahrt vom Vortag in
Erinnerung, aber unsere Sorge war unbegründet. Heute war es
glücklicherweise trocken geblieben, so dass wir in sagenhaften 1,5
Stunden in Mae Sariang ankamen und problemlos und rechtzeitig den
Flug zurück nach Bangkok erreichten.

Es war eine rundum gelungene Reise:
Michaela konnte uns mit den Mitarbeitern der Malteser bekannt
machen, ein guter persönlicher Kontakt ist sehr wichtig für die
zukünftige Zusammenarbeit.
Wir konnten uns davon überzeugen, dass die Spendengelder der
Drehscheibe und der Hoffenheim-Supporters Bangkok auch direkt für
die Behandlungen der kranken Kinder eingesetzt werden und haben
gesehen, wie gut es den Kindern danach geht.
Michaela hat uns ein „gut bestelltes Feld“ übergeben und wir hoffen
für die Kinder, dass wir das Projekt, mit Eurer Hilfe, in ihrem
Sinne weiter führen können.
Mai 2011,
Barbara Gürtler-Bunje
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