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Besuch in Chiang Mai: "Che"
Liebe
Drehscheibe-Freundinnen,
es gibt wieder
Neuigkeiten aus den Flüchtlingslagern.
Dr. Maria Dung-Pham, die
Ärztin und meine Kontaktperson bei den Malteser International, fragte
im Mai an, ob sie das restliche Geld von den Herz-Operationen für die
Behandlung eines 4-jährigen, an Leukämie erkrankten Kindes verwenden dürfte.
Mir war klar, dass nach den drei erfolgreich durchgeführten OPs nicht mehr
viel Geld übrig sein konnte und hakte genauer nach.
Die kleine Naw Hser Eh
Ter Blay Moo, kurz „Che“, leidet an akuter lymphoplastischer Leukämie
und benötigt dringend eine zytostatische Behandlung, die in bestimmten
Abständen wiederholt werden muss. Die anfallenden Kosten pro Zyklus belaufen
sich auf ca. 130.000 bis 200.000,-THB. Wie
viele weitere Zyklen notwendig sind, hängt
vom Verlauf der Krankheit ab.
Es ist geplant, die
Kleine und ihre Familie Ende des Jahres im Rahmen eines
Resettlement-Programms in die USA oder nach Kanada zu übersiedeln, doch bis
es soweit ist, muss gehandelt werden. Je
früher eine Leukämie behandelt wird, desto besser sind die Aussichten.
Nach dem Budget der MI
hätte die kleine Che bereits nach dem ersten Zyklus im Mai abgelehnt
werden müssen.
Ohne lange zu zögern,
spendeten im Juni die „Hoffenheim Supporters Bangkok“ 50.000,- Baht, so dass
die ärztliche Versorgung erst einmal gewährleistet war.
Letzte Woche hat auch die
Drehscheibe die Summe von THB 50.000,- zu dem Glück der
Kleinen beigesteuert!
Vorgestern, 18.08.2009,
war für 11 Uhr eine weitere Behandlung im Universitäts-krankenhaus Suandok
in Chiang Mai angesetzt, was ich zum Anlass nahm, das Kind zu sehen und die
Spende der Drehscheibe zu überreichen.
Erst am Montag nachmittag
war sicher, ob das Auto aus dem Camp den Dschungel passieren konnte
(Regenzeit!!), leider aber zu spät, um noch einen Flug zu buchen. So fuhr
ich denn am Dienstag um 05:30 Uhr zum Flughafen in Bangkok und saß bereits
um 06:15 Uhr in der Thai Airways Maschine nach Chiang Mai.
Drei Stunden später
lernte ich die kleine Che dann
endlich kennen. Sie war in Begleitung ihrer Oma,
zudem war Dr. Maria gekommen, eine Mitarbeiterin der MI Chiang
Mai, sowie eine Übersetzerin.
Da
die Klinik keine Fotos erlaubt, trafen wir uns in einer Kantine im Keller
des Gebäudes. Die kleine Patientin saß ganz still und schaute uns mit
großen, traurigen Augen an. „Was geht jetzt in
diesem Köpfchen vor“ fragte ich mich mehrmals. Erst der lange
Transport, dann das ungeliebte Krankenhaus und nun so viele Menschen, deren
Sprache sie nicht versteht. Während der ganzen Zeit sagte sie kein einziges
Wort. Nur einmal schüttelte sie den Kopf auf die Frage, ob sie etwas trinken
möchte.
Einen viel zu großen
Mundschutz musste sie tragen, damit keine Bakterien oder Viren ihren kranken
Körper noch mehr schwächen und auf dem Kopf trug sie ein altes Tuch,
da nach
der letzten Chemo die Haare ausgingen und erst langsam wieder zu spriessen
anfangen.
Über die Übersetzerin
erfuhren wir von der Oma, dass Che zu Hause noch zwei Geschwister hat
und auch nicht immer so stumm wäre wie jetzt. Das Mädchen verkraftet die
Therapie gut und spricht – bisher ohne Komplikationen – darauf an. Nur
schlapp und müde ist sie nach den Infusionen. Angst hat sie vor dem
Krankenhaus. Wer kann es ihr verdenken.
Aus meinem Rucksack
zaubere ich einen Elefanten hervor (Luxus-Version von Jim Thompson, von
Steffi beigesteuert!), aber sie reagiert zuerst nicht. Ich drücke ihr das
Mitbringsel in die Hände, wo es den Rest der Zeit festgehalten wird. Eine
gute Stunde dauert es, bis sie ein wenig lebhafter wird. Dann ergreift sie
auch meine Hand und läuft mit mir umher, vor, zurück, im Kreis, Treppe rauf
und Treppe wieder runter. Dass Che laufen kann, ist erst seit kurzem
der Fall, sagt die Oma.
Viel zu schnell ist es 11
Uhr und wir müssen uns verabschieden. Der Arzt wartet. Ich drücke sie noch
einmal an mich, die Oma bedankt sich zum wiederholten Mal und dann
verschwinden die beiden in der Menschentraube, die in der Eingangshalle auf
Termine und Hilfe wartet.
Die nächste Stunde
verbringe ich im benachbarten Tempel und lasse diese Eindrücke wirken. Ein
trauriger Fall, aber erfreulich, dass es uns möglich ist zu helfen. Das
Krankenhaus hat bei den Kosten große Zugeständnisse gemacht, so dass bis
Dienstag die Behandlungen mit den beiden Spendensummen fast abgedeckt waren.
Danke, an alle Mitglieder
der Drehscheibe, die mit ihren Beiträgen dieses Engagement ermöglichen!

20. August 2009 /
Michaela Ehrmann

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